Provence zur Assietta und zurück

Text und Fotos: Michael Ferber

Von der Provence zur AssiettaSonntag.
Am 10. Juni trafen wir uns abends auf einem alten Landgut in der Nähe von Avignon zu einer geführten Straßentour mit dem Ziel, die bekannte geschotterte Assiettastraße mit unseren F's zu bezwingen. Wir, das waren Winfried, Tobias, Thomas, Gudrun - neben mir selbst alles F-ler, sowie Daniel mit der Alp 4.0 und Jörg aus Mettmann mit der CBF 1000. Nach dem Zimmerbezug wurde noch kurz der Pkw/Anhänger von Jörg und Daniel an sicherer Stelle abgestellt. Die anderen kamen mit dem Autoreisezug oder auf eigener Achse. Beim üblichen “Appero” wurden dann kurz die Details zur Reise besprochen. Im Anschluss schwelgten wir dann in einem stundenlangen, typisch provencalischen Abendmenü. Eigentlich wollte die Senior Chefin an diesem Abend wegen Rückenproblemen gar nicht kochen. Nach einem freundlichen Gespräch im Vorfeld und ein paar Dankesküsschen für Madame wurden die Gesundheitsprobleme hinten angestellt und alle Register für uns gezogen. Gut genährt ging es zur späten Stunde ins Bett.

Von der Provence zur AssiettaMontagmorgen wurden die Mopeds aus der Garage geholt, kurz die Koffer angehängt und ab ging's in Richtung Plateau d'Albion dem Hauptlavendel-Anbaugebiet des Vaucluse. Nach ein paar Kleinststrassen durch die Kirschenplantagen kam auf dem neuen “Bienenpass” - US-Fernstrassen-/Roadmoviefeeling pur auf. Jörg mit der CBF 1000 hatte gleich so ein Grinsen unterm Helm. Verkehr gab es so gut wie keinen. Ob wohl wir an diesem Tag noch viel vorhatten, nahmen wir auf dem Plateau nach nochmals einige interessante mehr oder weniger einspurige Sträßchen mit. Immerhin hieß das das Motto unserer Reisen ja “auf kleinen und leeren Straßen” (Irgendwie hatten jetzt die F-ler das Grinsen unter den Helmen). So ging es über Simiane-la-Rotonde und Oppedette immer weiter Richtung Hochprovence. Nach einer ausgiebigen Kaffeepause in St. Michel, wo sich der nette Restaurantchef bei uns entschuldigte, dass er eigentlich Ruhetag hätte und deshalb die Stühle nicht abgestaubt seien, fuhren wir weiter und überquerten bei Manosque die Durance. Wieder ging es durch ausgedehnte Lavendelfelder nach Riez wo wir die Mittagspause einlegten. Frisch ausgeruht und gestärkt ging es weiter nach St. Croix, von wo aus wir an dem gleichnamigen See entlang Richtung Moustiers-Ste Marie fuhren, dem Tor zum Grand Canyon du Verdon! Widererwarten hielt sich der Verkehr an diesem so touristischen Punkt in Grenzen, wenn auch die Straßen so leer waren wie auf unserer restlichen Reise. So genossen wir die Kurven und die vielen Ausblicke von der Route de Crête in den mehrere hundert Meter tiefen, berühmten Canyon. Am Ende des Canyons erreichten wir Castellane, wo wir nochmals eine Kaffeepause einlegten, um daraufhin die letzte Etappe des heutigen Tages nach Pouget-Théniersin Angriff zu nehmen. So plauderten wir nett mit anderen Cafe-Besuchern.
Glücklicherweise war die Dakar mit einem Hauptständer ausgestattet Noch wussten wir nicht was uns erwartete. Die Überraschung kam bei der Abfahrt. Als die ersten von uns bereits vom Parkplatz fuhren, signalisierte Winfried, dass sein Hinterreifen komplett platt war! Also nochmals Helm ab und nach einer möglichen Ursache gesucht. Die Sache war obskur. War doch Winfried mit uns zusammen ja in guten Tourentempo bis auf den Parkplatz gefahren ohne irgend ein Anzeichen von Druckverlust des Reifens. Die optische Prüfung auf irgendwelche Gründe für den Platten verlief negativ. Ein Reifenhändler, Motorradladen oder Tankstelle die Mopedreifen reparieren konnte gab es nach Auskunft der Ortsansässigen nicht. Also wurde kurzerhand beschlossen, dass die Gruppe unter der Führung von Gudrun weiter fuhr und Winfried und ich den Reifen im Hof einer Autowerkstatt selbst reparieren. Gesagt getan. Die Anderen fuhren von dannen und wir machten uns an den Hinterradausbau.
Die Provence Glücklicherweise war die Dakar mit einem Hauptständer ausgestattet. Also aufgebockt und Hinterrad raus. Schon wollten wir den TKC 80 von der Felge herunter machten, da hatten wir die Idee den Reifen zunächst nochmals richtig mittels dem Kompressor der Autowerkstatt aufzupumpen und so eventuell bereits den verursachenden Fremdkörper im Mantel zu orten. 4,5 Atü rein und hören: Nichts zischt oder deutet sonst auf ein Leck hin. Warten…, wieder messen - immer noch exakt 4,5 Atü. Ventil geprüft - ist auch dicht. Unverständlich! Und warum war der Reifen vor dem Parken absolut schräglagentauglich und nach den Parken leer?? Soll's ein anderer Verstehen. Noch einmal etwas abgewartet und dann den Reifen (nicht ganz von der Selbstheilung überzeugt) wieder eingebaut. In der Autowerkstatt noch schnell die mit Kettenfett verschmierten Hände gewaschen und auch wir gingen auf die letzte Etappe - immerhin war es schon nach 18 Uhr. Was für eine Überraschung - wo wir auch fuhren, es war wie beim 3 Wettertaft: der Reifen hielt - zunächst! Nach über 40 Kilometer Kurvenorgien auf kleinsten, einsamen Straßen und durch die Clue (Engstelle) von St. Aubanblieb Winfried auf einmal zurück. Die Luft des Reifens hatte sich schlagartig auf ein Minimum reduziert. Noch ca. 10 Kilometer bis zum Ziel. Wir entscheiden uns für das mitgeführte Pannenspray um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Pscht. Der Reifen ist wieder prall und Winfried fährt solange ich zusammenräume weiter. Die lange Abfahrt nach Puget kommt. Der Reifen verliert wieder Luft, wird flacher und flacher. 3 Kilometer bis zum Hotel: Jetzt ist er so gut wie platt. Winfried fährt weiter. Wir müssen doch gleich unten sein. Es kommt noch eine Serpentine und noch eine und noch eine. 2 Kilometer bis dem Hotel: Aus. Der Reifen rutscht ins Felgenbett. Die F ist nicht mehr fahrbar. Wir schieben das Ding mit Mühe in eine gerade vorhandene Ausbuchtung der Straße. (Da sagen doch manche die F sei eine Enduro. Ha-ha. Mit der Enduro fahre ich auch platt noch 'nen 50er-Schnitt). Ich fahre alleine die 2 Kilometer nach Puget. Aber um 20 Uhr noch eine Möglichkeit zum Reparieren zu finden ist gleich null. Also ins Hotel, Koffer abgebaut und zurück zu Winfried, dessen Koffer an meine F geklickt Winni hinten drauf und wieder ins Tal. Die Dakar muss im Freien an der Straße übernachten. Sorry!
So erreicht auch Winfried, wenn auch ohne Motorrad das Hotel. Schnell umziehen und zu den Anderen, die bereits ins Restaurant vorgegangen waren. Wir kommen gerade noch recht zum Appero. Der Abend ist gerettet! Es gibt viel zu erzählen und morgen früh werden wir das Problem in Griff bekommen.

MotoprovenceDienstag. Noch vor dem Frühstück fahre ich zur uns zwischenzeitlich empfohlenen Total-Tankstelle. Der Chef telefoniert wild mit seinem Handy, springt dabei in seinen alten Range Rover und braust davon. Ich habe keine Chance ihn anzusprechen. Aber ich sehe in der Werkstatt der Tanke ein Regal in dem auch neue Motorradreifen liegen. Und noch besser: da steht eine richtige hydraulische Motorradreifenmontiermaschine! Also zurück zum Hotel und mit den anderen kurz gefrühstückt. Jörg bietet sich an mit zur Dakar zu fahren und das Hinterrad mit der 1000er zu transportieren. Richtig, so haben wir dieses Mutterschiff nicht umsonst mitgenommen. Also los: Raufgefahren. Rad raus, zusammen mit Winni mit Rad auf die Honda gesetzt und runter zur Totalwerkstatt. Monsieur ist zurück und sofort super hilfsbereit. Er lässt seine momentane Arbeit liegen und kümmert sich ganz selbstverständlich um den kaputten Reifen. Der Schlauch hat 2 Löcher. Eines ist eventuell die Ursache, das 2. kam durch das Leerfahren. Trotzdem bleibt der 2malige PLÖTZLICHE Druckverlust ein Rätsel.
Flicken ist kein Problem, aber dem Mantel nochmals zu montieren wird uns dringend abgeraten. Die Fahrt mit Platten hat auch 2 Hände voll Abrieb imMantel verursacht. Nach der Abwägung von für und wieder entscheidet sich Winni für einen neuen Mantel. Doch wo soll der her kommen. Am Lager sind nur Motocross-Reifen oder andere 18 Zoll Reifen. Monsieur telefoniert und findet in Digne einen Reifenhändler der einen passenden Michelin Anakee Reifen hat. Okay vorne eine recht abgefahrenen TKC 80 und hinten einen Anakee - interessante Paarung. Warum nicht. Aber wie kommt der Reifen nach Puget. Auch alle anderen Händler sind erst im ca. 80 km entfernten Nizza zu finden. Monsieur hat den rettenden Einfall. Von Digne nach Nizza fährt eine Schmalspureisenbahn - hauptsächlich für die Touristen. 11 Uhr ist zu knapp aber um 13 Uhr kann der Reifen da sein. Der Reifen wird also in Digne dem Schaffner mitgegeben und dieser soll ihn in Pugetam Bahnhof ausladen. Also Winni ist versorgt, alles geregelt und ich kann als Guide meiner Gruppe hinterher fahren. Diese war wieder unter Führung von Gudrun mit nur 15 Minuten Verspätung nach dem die Reparatur so-oder-so klar war weitergefahren. Ich schreibe Winfried noch kurz ein Roadbook, sodass es während der Fahrt nicht auf die eingezeichnete Route in der Karte sehen muss, und los geht es. Winni wird nach der Reparatur der Gruppe hinterher fahren. Ohne große Fotoaufenthalte und ggf. aufgezeigten Abkürzungen wird er bis zum Abendessen bei uns im Susatal sein. Bereits in St. Martin an der Auffahrt zum Cayolle habe ich die Anderen wieder eingeholt. Die Fotopausen in der Daluis Schlucht haben wie erwartet Zeit gekostet und die Kaffeepause in St. Martin tt ein übriges. Gemeinsam fahren wir den Cayolle, einer meiner Lieblingspässe. Kein Verkehr, sehr schöne Strecke. So muss es sein! Weiter geht es. Über die Georges de Bachelard erreichen wir Barcelonette und fahren weiter auf den Col de Vars. Hier sind vor allem Motorradfahrer unterwegs. Die Kneipe von Aishaam Col ist gut besucht. Wir nutzen sie für das Mittagessen. Runter nach Guillestre und vorbei an der alten, von Vauban erbauten Festungsstadt Mont Dauphin geht es gleich wieder rauf. Der Izoard steht noch auf dem Programm. Leider treffen wir gerade an der Casse Déserte eine Regenwolke, die uns zwingt das Regenzeug anzuziehen. Kurzes Gipfelfoto und wieder hinunter nach Briancon, wo die Sonne wieder auf uns wartet. Trotzdem sieht es gewittrig aus, sodass wir die letzte Etappe des Tages einfach kürzen und direkt über den Col de Montgénevre ins Susatal fahren. Unser altbekannter Herbergswirt David empfängt uns wie immer mit offenen Armen und reserviert uns gleich unser Lieblingsrestaurant in der Altstadt. Während wir den obligatorischen “Appero” zu uns nahmen, fuhr auch schon Winfried an uns vorbei. So ging es vollzählig zum gemeinsamen Abendessen. Italienisch, klassisch, super lecker wie immer!.
Winfried erzählt uns noch den Rest der “Reifengeschichte”: Pünktlich um 1 Uhr War er am Bahnhof. Zug kommt. Schaffner läd alles mögliche aus, aber keinen Reifen. Die Nachfrage scheitert am nicht vorhandenen Französisch. Und Fremdsprachen spricht der Schaffner nicht. Also schnell zurück zur Total-Tanke. Monsieur sitzt noch beim Mittagessen. Als er Winfried sieht, ruft er: mondieu, le pneu!. Er rennt zum Range Rover und fährt zum Bahnhof. Zug ist natürlich weg. Schnell kommt er zurück zur Tanke und telefoniert aufgeregt. Es stellt sich heraus, dass der Reifen vom Schaffner versehentlich einen Bahnhof zu früh ausgeladen wurde… (Ja - wir sind ja in Frankreich). Schnell in den (ja was wohl - richtig:) Range Rover und zum vorherigen Bahnhof gefahren. Mit zufriedenem Gesichtsausdruck kommt Monsieur zurück und hält den Reifen in der Hand. Rasch moniert, den geflickten Schlauch rein (wir sind ja in Frankreich) und Winfried ist wieder einsatzfähig.

Assiettatag!Mittwoch. Assiettatag! Gudrun fährt mit Jörg eine Strassentour zum Col de l'Iseran. Wir, der “Rest” der Gruppe, nehmen die Assietta unter die nicht vorhandenen Stollen! Über Cesana Torinese geht es nach Sestière, einem im Sommer hässlichen Skiort, Spekulationsterrain der Agnelli-Dynastie. Hier steigen wir in Assiettatrasse ein. Entgegen unserer früheren Erfahrungen im September ist die Strasse in schlechtem Zustand. Viele, durch die kürzliche Schneeschmelze verursachten Weichstellen machen manche Passage schwieriger als vorhergesehen. Es ist eben erst Juni! Trotz der Schwierigkeiten erreichen wir ohne grosse Probleme den Col de Basset und somit den ersten Hochpunkt der Strasse. Div. Fotos und weiter. Die Piste ist an manchen Stellen extrem aufgeweicht, Wasser fliesst aus den Bergflanken über den Weg. Langsam aber stetig bahnen wir unseren Weg. Auch die nicht Schottererfahrenen unter uns geniessen die abenteuerliche Fahrt. Winni will mehr-mehr-mehr. Kein Zweifel: er hat am Schotter Blut geleckt. Irgendwann erreichen wir den Colle Assietta: Obligatirisches Gruppenfoto. Und tatsächlich kommen zufällig nochmals zwei F 650 dazu. Also es gibt doch noch mehr Tourenfahrer, die auf der F 650 unterwegs sind. Jetzt hatten wir Hunger. Also noch die Abfahrt Richtung Colle de Finestre gemeistert, vorbei an mehreren großen Baggern, die dabei waren die winterlichen Schäden an der Straße zu richten. Direkt am Ende der Assiettastrasse befindet sich ein Refugio. Es ist schon etwas spät, aber ich kann die Signora überzeugen, uns jedem noch einen Teller Spagetti zu machen. Im Refugio treffen wir Motorradfahrer aus dem Saarland. Mit viel Witz erzählt man uns von schlechten Erfahrungen mit Hotels + Essen in Frankreich und Italien. Na ja, führ irgendwas müssen unsere geführten Touren ja gut sein. Unsere Teilnehmer haben ganz andere Erfahrungen gemacht. Wie auch immer: Diese Horrorerzählungen sind gute Werbung führ uns. Danke! Im Kurvenrausch geht's den Col de Finestre hinunter nach Susa. Es sieht gewittrig aus uns wir beratschlagen was wir tun. Richtung Mont Cenis sieht's besser aus. Tobias klinkt sich aus und fährt das Doratal zurück zur Unterkunft. Wir nehmen das Tal Richtung Mont Cenis. Ein Fehler. Bereits kurz vor den Stausee schüttet es aus Kübeln. Also Regenklamotten an und weiter. Über die Staumauer geht es zum Fort Variselle. In engen Serpentinen windet sich der Schotterweg Richtung Zugbrücke. Na wenigstens kann's im Regen nicht schlimmer kommen: Denkste! Gerade als wir an den großen runden Felsen ankommen, über die der Weg nach oben führt, beginnt es zu hageln. Eigentlich wollten wir die letzten Meter zum Fort laufen. Aber der Hagel veranlasst uns nach kurzem Zaudern mit den F's in einer Art Trialeinlage diese für F's doch schiwierigen Stellen zu meistern. Unglaublich, was mit den Dingern möglich ist. Übrigens hat jetzt Daniel mit der Alp 4.0 das Grinsen unterm Helm. Welch eine Erlösung, als wir alle zusammen über die ehemalige Zugbrücke im trockenen Torbogen Zuflucht finden. “Das Abenteuer des kleinen Mannes” - Super! Nach einem ausgiebigen Rundgang im leider stark Einsturz gefährdeten Fort reduziert sich der Hagel in Regen, dann zu einem wunderschönen Regenbogen und der Weg für den Abstieg ist frei. Was - wieder runter? Das ist zu schwierig. Aber gemeinsam schaffen wir die ausgesetzte Stelle ohne Umfaller. Ohne Regen geht's nun über die Strasse zurück zur Unterkunft. Das Abendessen war wieder einmal - wie soll's in Italien anders sein - Spitze!

Donnerstag. Abfahrt 9 Uhr. Über Bardonecchia geht's über den Col d'Echelle ins Val Clarée. Das Wasser dominiert das Tal. Beeindruckt drehen wir am Ende der Sackgasse um und fahren Richtung Briançon. Ab hier meiden wir die Route National und bewegen uns auf den kleinen Parallelstrassen, geniessen hierbei den Ausblick auf Schluchten, Engstellen und natürlich das Durancetal. Ein kurzes Stück auf der Hauptstrasse, entlang dem Lac de Serre Ponçon, dem größten Stausee in den Alpen und wir biegen nach links ab. Bei den “frisierten Fräuleins” verbringen wir mit einheimischen Spezialitäten die Mittagspause. Uns fällt auf, dass wir bei den herrlichen Ausblicken und den damit verbundenen Fotopausen doch recht viel Zeit vertrödelt haben - Kein Problem, kürzen wir halt unsere Strecke für den Tag. Über die Clues de Bacles geht es direkt nach Digneles-Bains. Dort angekommen nutzen wir die Zeit zunächst noch um den beeindruckenden Aussichtspunkt eines alten Bergdorfes zu erklimmen. Zurück nach Digne ins Hotel und noch schnell ins Kleinstadt leben gestürzt. Kam nicht von hier Winnis neuer Reifen mit der Schmalspurbahn?

Col du CorobinanFreitag, letzter Fahrtag. Nach dem Frühstück holen wir die Motorräder aus dem Restaurant-Garten und greifen den Col du Corobin an. Im Tal der Asse hängen tiefe schwarze Wolken. Eine Gewitterwand baut sich auf. Also schnell auf die wenig befahrene N 85. Fünf Kilometer kommen wir weit, da brauchen wir das Regenzeug. So eingepackt glauben wir den Naturgewalten trotzen zu können - zumindest solange es nicht blitzt. Aber es kommt ganz dick. Wassermassen fallen vom Himmel. 5 bis 10 Zentimeter durchgehend Wasser auf der Straße. Zwischen Visier und Helm drückt das Wasser ins Innere meines Helmes. Nicht nur ein Regenkombi gibt seine Funktion auf. So kämpfen wir uns mit vielleicht 50 Km/h die D 907 entlang. War das gerade im Regen nicht ein Schild “Restaurant à 2 minutes”? Eigentlich biegt unsere Strecke gerade jetzt nach rechts ab. Egal wir fahren dem Schild nach und kommen nach Mézel. Zwar sehen wir kein Restaurant, dafür das Dorfcafé in das sich schon einige Leute hineingeflüchtet haben. Es schüttet immer noch in Strömen. Wir stürmen das Café. Der Boden des Cafés verwandelt sich durch unsere Nässe in Kürze in einen See. Wir entschuldigen uns, aber niemand stört es. Der Wirt bringt uns Handtücher, die älteren Leute bewundern unseren “Mut”. Wir sind halt in Frankreich. Café-Crème für alle. Nun sieht die Welt schon wieder besser aus. So puschen wir den Umsatz des Etablissements über eine Stunde kräftig mit. Spiegeleier könnte man uns auch noch machen… Nein Danke wir wollen weiter. Der Regen ist weniger geworden und die Teilnehmer scharren schon wieder mit den Füssen. Der Begriff “Regen” ist irgendwie relativ für uns geworden. Nachdem wir beschlossen haben wegen des Wetters lieber ein paar Meter gut zu machen und möglichst direkt wieder zurück in die eigentliche Provence zu fahren, nehmen wir den Weg bei Mées über die Durance, ohne an den bekannten Felstürmen zu halten. Über St. Donat und Mallefougasse schrauben wir uns wieder auf kleinen Straßen in die Berge. Der Regen hört auf. Trotzdem lassen wir, ob der schwarzen Wolken im Norden, einige ursprünglich geplanten Fahrhighlights weg. In Banon begegnet uns wie erwartet der Tross der “Dauphiné”, dem nach der Tour de France wichtigsten Radrennen Frankreichs. Wir weichen aus und fahren über St. Christol nach Sault. Eigentlich sollten wir was Essen, aber niemand will sich aus den Regenkombies schälen. Schade in St. Christolgibt's bei Farek die besten Kutteln provençal die ich kenne. Aber das wäre sowieso sicher nicht Jedermanns Sache gewesen. In Sault erreichen wir wieder das Vaucluse und was soll ich sagen: Natürlich scheint bei uns hier die Sonne! Jetzt aber die Regenkombis runter. Auf einmal haben die Leute auch wieder Hunger. Es ist heiss und der Fahrtwind trocknet schnell die feucht gewordenen Klamotten. Parallel zur Nesqueschlucht geht es auf kleinsten Straßen nach St. Didier, wo ich in der Bar Sabine überzeugen kann, das wir trotz der eigentlich schon geschlossenen Küche was zum Essen bekommen. Wir sitzen in der Sonne, es ist fast zu heiß. Um uns herum alles in T-Shirt und kurzen Hosen. War da vorher in der Hochprovence nicht was mit Regen? Jetzt ist es 15:30 Uhr und keiner hat Lust ins Nahe Hotel zu fahren. “Können wir nicht noch 'ne Runde fahren?”. Klar können wir. So hängen wir nochmals 2 1/2 Fahrstunden ran und kommen am Abend bei Edith an, die uns wie immer herzlich begrüßt. So ging auch der letzte Fahrtag - trotz Wetterkapriolen - glücklich zu Ende. Ein letztes gemeinsames Tafeln, lachen und verabreden zur nächsten Tour im Jahr 2008 mit unseren Freunden bei MOTOPROVENCE.
Jetzt aber die Regenkombis runter Geführte Touren für und wider. Wir schätzen die lockere Atmosphäre bei www.Motoprovence.com Bis zur Nächsten Tour!
Michael Ferber

Weitere Informationen und Reiseziele unter:
Motoprovence F.G. Eventlogistics GmbH
Kornwestheimer Str. 78
70825 Korntal-Münchingen
Homepage: MOTOPROVENCE

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