Neuseeland - Riding in Paradise

Text: Sonja Piontek
Fotos: MoVe-Motorradreisen

Motorradreise Neuseeland Kilometerlange Sandstrände, karge Steinwüsten, subtropischer Urwald, weite Steppen, raue Gebirgszüge, Gletscherseen und flimmernde Hochebenen. Klingt nach Weltreise. In vier Wochen? Wohl kaum! Wie aber können wir all dies in so komprimierter Form erleben? Wir sind in Neuseeland und irgendwie scheint der Schöpfer hier ans Ende der Welt ein "Best-of-everything" geworfen zu haben. Dieses Land inmitten des südlichen Pazifik besticht nicht nur durch seine sagenhafte Schönheit und die Freundlichkeit der Menschen, sondern vor allem auch durch seine unglaubliche Vielseitigkeit.

Unsere Tour beginnt in Auckland der "City-of-Sails", und soll uns zu den schönsten und entlegensten Stellen des Landes bringen.

Coromandel „Kia Ora und herzlich willkommen in Neuseeland“ begrüßt uns freudestrahlend Stefan von KEA Motorcycles Tours & Rentals, der uns im Hotel abholt. Wir haben unsere Bikes bereits vor unserer Abreise in Deutschland bei der Europarepräsentanz von KEA gebucht und sind glücklich über den reibungslosen, unkomplizierte Ablauf. Als wir unsere Motorräder sehen, können wir unser Grinsen nicht verbergen. In einer sehr gepflegten Halle stehen glänzend die neuesten BMW Motorräder. Von wegen Mietbikes müssen alt sein! Wir kommen uns eher vor wie im Motorradhimmel. Die neuesten Modelle, top gepflegt. Es gehört zu KEA´s Philosophie, die Flotte mindestens alle zwei Jahre zu erneuern. Dagegen habe ich definitiv nichts einzuwenden!

Nach einem hervorragenden Kaffee, vielen tollen Insider-Tipps und der Übernahme unserer zwei R 1200 GS geht es endlich los. Zündschlüssel rein, Startknopf gedrückt und endlich wieder das Gefühl, völlig frei zu sein. Wir fahren durch die Stadt und begeben uns Richtung Süden. Wir schlängeln uns durch das Hinterland zum Keriotahi Beach, einem einsamen Sandstrand mit wunderschönen Klippen ca. 30 Minuten von Auckland entfernt.

Ich gebe Gas, mit tanzenden Reifen gleite ich über die einsame Küstenstraße. Ich vergesse alles um mich herum. Was jetzt noch zählt ist das schillernde Meer, der nahe Sandstrand, die R 1200 GS und mein unendliches Glücksgefühl. Ich weiß nicht, wie lange ich mit meiner BMW vereint neben der silbernen Gischt des Meeres dahin gleite, wir lassen uns einfach von der Weite treiben. Soweit das Auge reicht, erstreckt sich der Strand und verliert sich nur in der Ferne im Dunst der sich brechenden Wellen. Welcome to Paradise.

Motorradtour NeuseelandUnser nächstes Ziel ist die Coromandel Halbinsel. Wir genießen zwei Tage lang nichts als perfekte Motorrad-Kurven, einsame Buchten, den Strand, die Sonne und das Meer. Danach geht es nach Rotorua oder "Smelly Rotorua" wie es Dank seiner regen Thermalaktivitäten und dem omnipräsenten Schwefelgeruch oft genannt wird. Ich habe Ralph vom Hot-Cold-River erzählt. An einer versteckten Stelle in der Nähe vom Wai-O-Tapu-Thermal-Wonderland fließen hier ein kaltes Flüsschen und ein heißer Thermalbach zusammen. Wir parken unsere 1200er im Busch (sieht ziemlich cool aus vor den Thermaldämpfen, die hinter jedem Baum aufzusteigen scheinen), ziehen unsere Klamotten aus, und ich begebe mich in diesen unwirklichen Strudel aus heiß und kalt. Ralph traut dem Frieden erst nicht, zu sehr dampft die heiße Brühe. Ich versichere ihm, dass es schon ok sei, obwohl in genau diesem Moment ein irre heißer Schub Wasser kommt, und ich massiv an meiner eigenen Glaubwürdigkeit zweifle. Ich lasse mir nichts anmerken, setze mein überzeugendstes Lächeln auf und Ralph steigt mit in die Badewanne der Natur.

Die Südinsel im Visier, verlassen wir Rotorua und fahren über Taupo und den Tongariro National Park nach Wellington. Diese völlig unwirkliche Landschaft fasziniert. Wir fahren Kurve um Kurve um Kurve. Ich wünsche mir, nie anzukommen und diesen Tanz aus rechts-links-recht-links nie beenden zu müssen.

Doch auch dieser Traum nimmt in Wellington ein Ende und schon sitzen wir auf der Fähre in Richtung Südinsel. Um an die entlegensten Stellen zu gelangen, haben wir uns entschlossen, an der BMW Safari teilzunehmen. Ein faszinierendes Event, welches mittlerweile echten Kultstatus erreicht hat. Die BMW Safari wird uns in den nächsten vier Tagen im Gelände, über größtenteils privates Land, nach Cromwell bringen. Wie unvergleichlich diese Erfahrung sein wird, wagen wir nicht zu vermuten.

Anaura-BayFreitag morgen, acht Uhr: es geht los. Der Reifendruck ist reduziert, die Kameras sind gepackt und das Gepäck im Begleitfahrzeug verstaut. Schon nach wenigen Kilometern verlassen wir den Asphalt und werden davon in den nächsten vier Tagen nur sehr, sehr wenig zu Gesicht bekommen. Die Route führt uns kilometerlang über Wiesen, Hügel und kleine Flüsse. Doch dann wird die Strecke abrupt härter und wir stehen vor den ersten massiven Steilauffahrten. Zwar stockt mir beim Anblick der Atem, aber irgendwie hat mir die 1200er mittlerweile so viel Vertrauen geschenkt, dass ich nicht groß zögere. Ersten Gang rein, Blick nach vorne, Hand an die Kupplung und Gas und schon beißt sich der Boxer Meter um Meter nach oben. Ein sagenhafter Blick erwartet mich. Ich drehe mich um und sehe, dass Ralph sich für eine Pause entschieden hat - an der steilsten Stelle mit Bike in der Horizontalen. Er ist furchtbar geknickt, merkt aber bald, dass er nicht der Einzige ist und so was einfach dazu gehört.

Queenstown Am zweiten Tag führt uns die Safari durch die "Moulesworth Station", der mit 180.000 ha größten Farm Neuseelands, die sich über mehrere Bergketten und zahllose Täler zieht. Für unseren neuen Freund Michael birgt Moulesworth ein Erlebnis der besonderen Art. Ein weites Tal, kniehohes Gras, dessen goldene Spitzen im Winde wehen, ein harter Lehmpfad und eine handvoll Bikes, die durch die Einsamkeit jagen. Plötzlich ein Schlammloch - es wirkt sehr groß. Ich bin hin und her gerissen zwischen "Kneifen und außen vorbei" oder "cool mittendurch". Entscheide mich für die "Memmenvariante". Michael ist cooler. Zumindest für kurze Zeit. Vollgas taucht seine Dakar in den zähen Brei, bleibt stecken, schreit auf, dampft und legt sich nieder. Ein Bild für die Götter!

Auch in den nächsten beiden Tage fahren wir durch die sagenhaftesten Landschaften und erleben Geschichten, mit denen wir Bücher füllen könnten. Nach vier Tagen, 1400 km durch traumhaftes Gelände, gut 50 Flussdurchfahrten, über 1000 Photos und einer Menge neuer Freunde geht die BMW Safari zu Ende.

Es ist ungewohnt, wieder zu zweit zu sein, auf öffentlichen Straßen zu fahren und Asphalt unterm Reifen zu spüren. Aber unsere Reise geht weiter und führt uns nach Queenstown, der "Adventure Capital of the World". Wir sind dabei! Doch nach dem Hoch der vergangenen zwei Wochen erscheint uns vieles profan. Einzig der Fallschirmsprung hat es uns angetan - und erweist sich als einmaliger Kick. Auf die Angstzustände direkt vor dem Sprung verzichte ich einzugehen.

Milford Sound Nach ein paar Tagen in Queenstown, einem Trip nach Milford Sound und in das Örtchen "Paradise" geht es über den türkis schillernden Lake Tekapo nach Christchurch. Hier heißt es Abschied nehmen von unseren treuen Bikes, packen und ab in den Flieger zurück ins kalte Nass des deutschen Winters.

Es ist schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. Aber noch schwerer wird es sein, nicht sofort wieder in ein Flugzeug zu steigen und zurück ins Paradies zu fliegen!

Weitere Informationen und Reiseziele unter:
MoVe-Motorradreisen
Pascale Burbacher
Lésigny Ring 44
74211 Leingarten
Homepage: MoVe-Motorradreisen

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