
Kurvenparadies Norwegen
Text und Fotos: Ralf Schröder
Vom Ozean direkt in die Berge - nur selten liegen kurvenreiche Pässe so nah am Meer wie in Norwegen. Das Nordland lockt mit dramatischer Natur, geringer Verkehrsdichte und urigen Panoramastraßen.
Es ist noch keine Viertelstunde her, seit die Maschinen vom Deck der Fähre in Kristiansand gerollt sind. Und schon geht es in kräftigen Schwüngen über die Küstenstraße des Sörlandet. Der Leuchtturm von Kap Lindesnes, von Wind und Wellen umtost, markiert den südlichsten Punkt Norwegens. Zum Nordkap sind es von hier noch stolze 2.518 Kilometer!
Schade, dass so viele diesem entlegenen Punkt am Rande Europas entgegen fiebern - das südliche Drittel Norwegens zwischen der Südküste und Trondheim ist ein fantastisches Motorradrevier! Vor allem das Fjordland glänzt mit kurvenreichen Strecken und den höchsten Pässen. Die hübsche Sörlandsküste mit ihren weißen Fischerdörfern und den tausend Inseln ist ein viel versprechendes Revier zum warm Fahren.
"Best-of-the-Fjords" in einer Woche
Spektakulär sind dann die Touren im Fjordland. Zum Beispiel die Tagestour von Stavanger zum Lysefjord. Von der Küstenmetropole geht es allmählich hinauf auf die baumlose Hochebene des Hinterlandes. Dann plötzlich - was für ein Ausblick! - kommt der Schnitt: 900 Höhenmeter hinunter auf einer Serpentinenstrecke, die es wahrlich in sich hat. Gut dreißig Kehren wollen abgespult werden, um vom kargen Hochgebirge wieder hinunter an den Fjord zu gelangen, ein Stück Meer tief im Landesinneren! Eine Fähre tuckert über hundert Kilometer vom Fjordende zurück nach Stavanger an die Küste, rechts und links die Felswände Hunderte von Metern hoch!
Landschaft pur bietet auch die urige Passstraße über das Saudafjell von Stavanger gen Norden. Einsamkeit, schroffe Natur, grobe Felsen oben in den Bergen - und dann unten am Fjord bei Sonnenschein eine geradezu mediterrane Atmosphäre: Das ist der Reiz von Norwegen.
Pausenstop für Wasserfall und Gletscher
Tausendjährige Stabkirchen, wirbelnde Wasserfälle und glitzernde Gletscher sind die guten Gründe zwischendrin auch einmal anzuhalten. Ansonsten macht jede Biegung und jede Kehre Lust auf das, was dahinter kommt. Hardangerfjord, Sognefjord, Vikafjell, Gaularfjell und Sognefjell sind weitere Highlights auf der "Best-of-the-Fjords"-Route. Die Olympiastadt Lillehammer empfiehlt sich als praktischer letzter Stopp, ehe es nach einer Woche Zeit für die Rückkehr ist. Die Schiffsreise über Nacht ab Oslo ist der krönende Abschluss und zugleich würdevolle Ausklang. Nach intensivem Genuss von Landschaft und Motorrad braucht man Zeit, sich wieder auf das mitteleuropäische Maß der Dinge einzustellen.
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